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Glatt's Bücherschrank im Atelier

Der Bücherschrank in Glatt's Atelier

LITERATUR

Von den zahlreichen Publikationen über die Malerei von Karl Glatt ist hier der Artikel des Kunsthistorikers Prof. Invar Hollaus im Allgemeinen Künstlerlexikon (siehe unten) mit freundlicher Erlaubnis des Autors widergegeben:

...Das Frühwerk der 30er und frühen 40er Jahre ist geprägt von einer sowohl dem Impressionismus als auch dem Expressionismus, besonders den Malern der "Brücke", nahestehenden Malerei. Glatt malt v.a. Bildnisse aus dem Kreis seiner Familie und Bekannten sowie Auftragsportraits und figürliche Bilder, zudem Landschaften (meist aus dem Jura, aus der Gegend um den Doubs und den Franches Montagnes, sowie Schrebergärten zu allen Jahreszeiten).
    Seine Fähigkeiten als Fresko- bzw. Wandmaler kommen ihm auch auf Leinwand und Papier zugute hinsichtlich der Vereinfachung sowie der sorgsamen malerischen Umsetzung des Motivs in eine grosszügige Bildform.
Glatt pflegt einen die geometrischen Formen vereinfachenden, breitflächig gehaltenen Stil, der den räumlichen Eindruck über einen akzentuierten Farbeinsatz verstärkt.

Die Mitglieder der 1948 mit Max Kämpf, Gustav Stettler und Joos Hutter gegründeten "Gruppe 48" werden auch als Graumaler bezeichnet in Anspielung auf ihre Vorliebe für eine grautonige Malerei von Alltagsmotiven.

 Im Lauf der 50er Jahre hellt sich Glatt's Palette deutlich auf, Primärfarben kommen wirkungsvoll zum Einsatz. Die Dastellung des Menschen dominiert weiterhin sein Werk. Die Landschaften sind von einer eher flächigen Bildanlage und klar strukturiert mit oftmals geometrisch-kantigen Formen. Die abstrahierenden Figurenbilder nähern sich in dieser Phase stilistisch dem späten Picasso an. Die Kompositionen werden in der Folge noch flächiger, die Formen reduzierter und durch klare Konturen umrissen

Während der 70er Jahre entstehen zeitweilig Werke mit kürzelhaften dekorativen Buchstaben, die als mon. Kennwörter ins Blickfeld rücken.
Diese doppelte Aussage von Schrift und Bild verschwindet aber schon bald wieder aus Glatt's Schaffen.

Liebespaare herrschen im Spätwerk über mehrere Jahre in zahlreichen Kompositionen variantenreich vor; exemplarisch ist dafür ein Anfang der 90er Jahre entstandener Zyklus mit den Werken Traum, Träumerei und Gedankenspiel. Die Figuren sind zumeist nackt, zuweilen in regelrechte Knäuel verstrickt und in kontrastierenden, sehr intensiven Farben, oft Rot, Gelb, Blau, Grün, gehalten zur deutlichen Kennzeichnung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Bis zu den letzten Werken bleibt die Farbgebung expressiv, die Körper und Figuren werden in einer klassizistischen, jedoch vereinfachend-abstrahierenden Art und Weise wiedergegeben. Perioden einer straffen Bild-Gestaltung wechseln sich mit Phasen einer malerisch expressiven Behandlung durch das gesamte Werk hindurch ab. Eine große Eigenwilligkeit bei der Motivwahl und eine hohe Vitalität der malerischen Umsetzung prägen Glatt's Schaffen bis ins hohe Alter...   

Titelseite des allgemeinen Künstlerlexikons

Der zitierte Text ist ein Auszug aus dem Allgemeinen Künstlerlexikon Bd.56, S.58, München Leipzig (2007).
Weitergehende Besprechungen von Glatt's Malerei durch renommierte Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen finden sie hier bei art-people und bei SIKART.
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